Regionale Gesundheitsversorgung als kommunales Infrastrukturmerkmal

 

Auch auf kommunaler Ebene liegen die Erfahrungen von verschiedensten Forschungsgruppen, Modellen und Landes- / kommunalpolitischen Aktivitäten (AGENDA 21, Netzwerk gesunde Städte, Unabhängige Patientenberatung, Gesundheitshäuser etc) vor. So beraten auf örtlicher Ebene kommunale Gesundheitskonferenzen zu Fragen der gesundheitlichen Versorgung. Ziel ist in aller Regel eine verbesserte Koordination der Akteure. In den Konferenzen kommen Vertreter aller Einrichtungen zusammen, die bei der gesundheitlichen Versorgung mitwirken. Die Themen reichen von der Optimierung der Versorgung alter Menschen bis zu Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit der Kinder.  Wie  Kommunen aktiv werden können, soll durch das Beispiel der Hansestadt Hamburg verdeutlicht werden. Zuletzt wurde dort das Projekt "Patientenunterstützung im Krankenhaus" auf den Weg gebracht,  das Standards zur Etablierung von Patientenanlaufstellen in möglichst allen Hamburger Krankenhäusern vorsieht. Ziel ist es, auf diesem Weg in allen Krankenhäusern Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten zu etablieren. In der Durchführung besteht eine Zusammenarbeit mit der Verbraucher-Zentrale. Die dort eingegangenen Beschwerden werden so ausgewertet, dass die bestehenden Mängel und Missstände durch geeignete Interventionen nachhaltig überwunden werden. Auf politischer Ebene sollen so Bürgerbeteiligungsrechte erwirkt werden. Die Initiatoren einer „Hamburger Erklärung“ gehen die Verpflichtung ein, folgende Punkte zu beachten:

 

Leichte Zugänglichkeit: diese wird dadurch gesichert, dass die Patienten in geeigneter Form und Anspracheauswahl die Möglichkeit erhalten ihre Beschwerden vorzutragen.

Zügige Bearbeitung: die zeitnahe Bearbeitung ist wichtig. Der Eingang wird bestätigt, bei komplexem Sachverhalt wird ein Zwischenbericht gegeben.

Unabhängigkeit: dies bedeutet neben einem klaren Vorgehensprozess unabhängige und qualifizierte Bearbeitung durch geeignete und geschulte Mitarbeiter.

Transparenz: die für Dritte durchsichtigen Wege des Beschwerdemanagements von der  Annahme einer Beschwerde bis zur Interventionsempfehlung. Jährlich veröffentlichter Bericht.

Verantwortung: durch Sicherung einer finalen Bearbeitung, in der die Verpflichtungen der Beteiligten definiert sind.

 


Prädestiniert scheint die Koordination der Aktivitäten durch den Verbraucherschutz auch, um die Qualität der erbrachten medizinischen Leistungen am Standort einzuschätzen. Er beobachtet qualifiziert und zeigt deren Missstände auf. In Hamburg werden auch die Kosten der Gesundheitsdienstleistungen ständig überprüft. Damit wird das Gesundheitswesen am Standort für alle Bürger transparent. Die Gesundheitsversorgung wird als Element lokaler Lebensqualität erkannt und offensiv als Standortfaktor vermarktet. Gelingen soll dies auch dadurch, dass die Bevölkerung zu allen Gesundheitsfragen informiert und beraten wird. Dies betrifft auch juristische Fragestellungen zu Gesundheit und Krankheit, die Wahl von Ärzten und Krankenhäusern oder die Leistungen von Krankenkassen. In letztem Fall sind es Aspekte der Abrechnung medizinischer Leistungen, Vorgehen bei Beschwerden oder bei den Auseinandersetzungen, wenn der Verdacht von Behandlungsfehlern vorliegt. Auf Arznei-, Heil- und Hilfsmittelverfügbarkeit wird ebenso aufmerksam gemacht, wie auf Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und andere sozialen Einrichtungen.



 

 
 
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