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Genossenschaften im Gesundheits- und Sozialsektor – Herausforderungen für die Aus- und Fortbildung
von Prof. Nicole Göler von Ravensburg
Zur Person Dr. Nicole Göler von Ravensburg ist Professorin
an der Fachhochschule Frankfurt; Arbeitsgebiete: Sozialökonomie, Strategisches Management Sozialer Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Lokale Ökonomie
Ausgangslage
Die Zukunft des Wohlfahrtsstaates moderner Prägung ist ungewiss. Überall in Europa wird mit neuen Gleichgewichten zwischen Versicherung, Versorgung und Fürsorge, zwischen sozialen Rechten und Pflichten, zwischen Eigenverantwortung und Solidarität experimentiert. Dem Bürger, der Bürgerin soll mehr Eigenverantwortung übernehmen, er/sie fordert im Gegenzug eine vermehrte Beteiligung an der Zielsetzung und Steuerung sozialer Dienstleistungserbringung. Bei der Lösungssuche stehen regionale Lösungen an erster Stelle. In diesem Zusammenhang kommt auch der genossenschaftlichen Erbringung von Sozial- und Gesundheitsdiensten eine zunehmend wichtigere Bedeutung zu. Neue Genossenschaften werden – u. a. auch angeregt durch die Novelle des Genossenschaftsgesetzes - verstärkt gegründet. Die GründerInnen hoffen auf Selbstverwirklichung, Konsumentenschutz, die Produktion bislang nicht vorhandener Dienstleistungen und zunehmend auch auf selbst organisierte Existenzsicherung.
Herausforderungen
Die neuen Genossenschaften im sozialen Bereich sollen Beiträge zum Wohlfahrtspluralismus, zur Zukunft der Arbeit, zur Staatsentlastung und zum Aufbau und Erhalt sozialen Kapitals leisten. Um dies zu erreichen müssen sie sowohl als soziales System wie auch als Gewerbe-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen effektiv und effizient arbeiten, sich sowohl produktiv als auch im Sinne der sozial Benachteiligter weiter entwickeln.Meist setzen sie sowohl ehrenamtliche Arbeit als auch betriebswirtschaftlich oder sozial geschultes Personal ein. Während Betriebswirte es schaffen müssen, die sozialen Dynamiken von Genossenschaften nicht nur nicht zu ignorieren, sondern im Gegenteil zum besten Nutzen der Mitglieder zu steuern, müssen die sozialen Professionen (Sozialpädagogen, Sozialarbeiter und andere „Professionelle“ der Sozialen Arbeit) die wirtschaftlichen Realitäten eines Sozialen Betriebes anerkennen und managen lernen. Denn ohne soziale Intrapreneure werden diese neuen Genossenschaften nicht lange überleben. Besonders gefordert sind systemisches und unternehmerisches Denken, katalysatorisches Handeln und Coaching-Fähigkeiten.
Herangehensweise/Szenarien
Es ist wesentlich, dass Genossenschafts- und Wohlfahrtsverbände, vielleicht auch die öffentliche Hand, gezielt in die Aus- und Fortbildung entsprechender Fachkräfte investieren. Konzeptionell kann auf die Arbeit der Genossenschaftsinstitute sowie einiger Studiengänge an deutschen Fachhochschulen aufgebaut werden. Entsprechende Angebote könnten entweder als Weiterbildungs-Master an Hochschulen oder in Form von Zertifikatskursen dort oder an den Genossenschaftsakademien angeboten werden.
Ergebnisse
Für die genossenschaftliche Arbeit können auf diese Weise sowohl Kompetenzen zur Analyse, Evaluierung von und Intervention in sozialen Prozessen als auch betriebswirtschaftliche und kooperationsökonomische Kompetenzen herausgebildet werden. Die eigentliche Herausforderung für die Lehre und gleichzeitig der Schlüssel zu vermehrter genossenschaftlicher Aktivität im Gesundheits- und Sozialbereich wird es sein, für gemischte Gruppen von Betriebswirten, Sozialpädagogen, Sozialarbeitern, Pflegewirten und anderen in diesem Bereich Tätigen entsprechende Lehr- und Lernkonzepte zu entwickeln. Ein Miteinander dieser Berufsgruppen in der Aus- und Fortbildung wird zugleich das Verhältnis von sozialen und wirtschaftsnahen Berufsgruppen in diesen Sektoren verbessern.
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